Wie lange dauert die Eingewöhnung in Krippe und Kindergarten?
„Wie lange dauert die Eingewöhnung eigentlich?“ Diese Frage stellen sich viele Eltern, bevor ihr Kind in die Krippe oder den Kindergarten kommt. Und verständlicherweise möchten viele gerne wissen, wie viel Zeit sie dafür einplanen müssen. Die ehrliche Antwort ist allerdings: Das kann man vorher nicht genau sagen.
Natürlich gibt es Eingewöhnungsmodelle und geplante Zeiträume. Aber am Ende entscheidet nicht der Plan darüber, wann ein Kind wirklich angekommen ist. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Ein Kind fühlt sich vielleicht schon nach wenigen Tagen wohl und läuft ganz selbstverständlich mit. Ein anderes Kind braucht deutlich länger, um Vertrauen aufzubauen und sich an die neue Situation zu gewöhnen. Beides ist völlig in Ordnung.
Eingewöhnung in der Krippe – bei uns nach dem Berliner Modell
In unserer Krippe arbeiten wir nach dem Berliner Modell. Für die Eingewöhnung planen wir ungefähr vier Wochen ein. Diese Zeit gibt dem Kind die Möglichkeit, die neue Umgebung, die Erzieherinnen und Erzieher und den neuen Tagesablauf in Ruhe kennenzulernen. Auch wenn ungefähr vier Wochen eingeplant sind, bedeutet das nicht, dass jedes Kind exakt vier Wochen braucht. Manchmal merkt man, dass ein Kind schneller bereit ist und sich gut auf die neue Situation einlassen kann. Dann kann der Zeitraum entsprechend verkürzt werden. Bei anderen Kindern braucht es dagegen mehr Zeit. Dann ist es wichtig, den geplanten Zeitraum auch verlängern zu können. Denn eine Eingewöhnung sollte sich nicht danach richten, was auf dem Kalender steht.
Das Kind gibt das Tempo vor.
Und wie läuft der Übergang in den Kindergarten?
Bei uns ist die Situation etwas anders, weil Krippe und Kindergarten im gleichen Haus sind. Viele Kinder kennen die Einrichtung bereits aus ihrer Krippenzeit. Sie kennen die Räume, sehen bekannte Gesichter und wissen grundsätzlich schon, wie der Alltag in unserer Einrichtung aussieht. Trotzdem ist der Wechsel in den Kindergarten natürlich wieder etwas Neues. Unser Plan sieht zunächst vor, dass die Kinder drei Tage jeweils für zwei Stunden kommen. Danach wird die Zeit auf vier Stunden mit Mittagessen ausgeweitet. Im nächsten Schritt bleibt das Kind dann komplett. Aber auch hier gilt wieder: Das ist ein Plan und kein starres Gesetz. Wenn ein Kind schneller bereit ist, kann sich der Zeitraum verkürzen. Wenn ein Kind noch mehr Zeit braucht, wird die Eingewöhnung entsprechend verlängert.
Kita-Erfahrung bedeutet nicht automatisch, dass die Eingewöhnung leicht wird
Man könnte denken: Ein Kind, das vorher schon in einer Krippe war, hat es beim Start in einer neuen Kita bestimmt leichter. Aber so einfach ist es nicht. Ein Kind kann bereits Kita-Erfahrung haben und sich trotzdem in einer neuen Einrichtung sehr schwer tun. Und andersherum gibt es Kinder, die vorher noch nie betreut wurden und plötzlich ganz selbstverständlich in der Gruppe mitlaufen. Man kann vorher einfach nicht genau wissen, wie ein Kind reagieren wird. Es spielen viele verschiedene Dinge eine Rolle. Zum Beispiel die Persönlichkeit des Kindes, die neue Umgebung, die Beziehung zu den Eltern oder auch die Einstellung der Eltern selbst. Manche Kinder brauchen einfach länger, um Vertrauen aufzubauen. Andere sind neugierig und möchten sofort alles entdecken. Und beides ist okay.
Auch die Eltern spielen bei der Eingewöhnung eine Rolle
Eine Eingewöhnung betrifft nicht nur das Kind. Auch für Eltern ist es oft eine große Veränderung. Man gibt sein Kind zum ersten Mal für längere Zeit in andere Hände. Das fällt manchen Eltern leichter und anderen deutlich schwerer. Kinder merken sehr genau, wenn Mama oder Papa unsicher sind. Klammern die Eltern sehr oder fällt ihnen das Loslassen schwer, kann sich das natürlich auch auf das Kind übertragen. Das bedeutet aber nicht, dass Eltern ihre Gefühle verstecken müssen oder keine Angst haben dürfen. Es ist völlig normal, dass der erste Abschied schwerfällt. Wichtig ist nur, dem Kind das Gefühl zu geben: Du bist hier sicher. Ich vertraue den Menschen hier. Und ich komme wieder.
Bitte vergleicht euer Kind nicht mit anderen
Das ist mir bei diesem Thema besonders wichtig. Bitte vergleicht euer Kind nicht mit anderen Kindern. Nicht mit dem Kind der Freundin. Nicht mit dem Nachbarskind. Und auch nicht mit den eigenen Geschwistern. Nur weil das ältere Geschwisterkind nach einer Woche problemlos in der Kita geblieben ist, bedeutet das nicht, dass es beim jüngeren Kind genauso laufen muss.
Jedes Kind ist einzigartig.
Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit, seine eigenen Erfahrungen und sein eigenes Tempo. Vergleiche helfen deshalb meistens niemandem. Sie sorgen eher für zusätzlichen Druck. Und genau diesen Druck brauchen weder die Kinder noch die Eltern während einer Eingewöhnung.
Lieber am Anfang etwas mehr Zeit investieren
Mein wichtigster Rat an Eltern ist deshalb:
Habt Geduld.
Lieber investiert ihr am Anfang etwas mehr Zeit in eine gute Eingewöhnung, als euch zu früh unter Druck zu setzen. Denn wenn man versucht, alles möglichst schnell durchzuziehen, obwohl das Kind eigentlich noch nicht so weit ist, kann es passieren, dass der Stress danach erst richtig beginnt. Dann wird der Abschied vielleicht jeden Morgen schwierig und das Kind braucht am Ende noch länger, um wirklich in der Kita anzukommen. Eine gute Eingewöhnung braucht manchmal einfach Zeit. Und diese Zeit lohnt sich.
Die Eingewöhnung endet nicht automatisch, wenn das Kind nicht mehr weint
Viele denken, eine Eingewöhnung ist abgeschlossen, sobald das Kind morgens nicht mehr weint und problemlos in die Gruppe geht Aber so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Denn die Eingewöhnung findet nicht nur in der Kita statt. Sie geht auch zu Hause weiter. Die vielen neuen Eindrücke können für Kinder sehr anstrengend sein. Neue Menschen, neue Räume, neue Regeln, viele Geräusche und eine große Gruppe – das alles muss erst einmal verarbeitet werden. Manche Kinder sind in dieser Zeit zu Hause deutlich müder als sonst. Andere sind schneller gereizt oder schlechter gelaunt. Manchmal merkt man erst zu Hause, wie viel Energie der Kita-Tag eigentlich gekostet hat. Deshalb würde ich sagen: Die Eingewöhnung ist erst dann wirklich abgeschlossen, wenn sich nicht nur der Kita-Alltag eingespielt hat. Auch der Zuhauseteil muss sich wieder einpendeln. Wenn das Kind sich in der Kita sicher fühlt und auch zu Hause wieder in seinem normalen Alltag angekommen ist, dann kann man wirklich sagen: Jetzt ist es geschafft.
Wie lange dauert eine Eingewöhnung also wirklich?
Die Antwort lautet:
So lange, wie das Kind braucht.
Es gibt Richtwerte und Pläne, die Orientierung geben. In der Krippe planen wir zum Beispiel ungefähr vier Wochen ein. Aber kein Plan kann vorhersehen, wie ein einzelnes Kind reagieren wird. Manchmal geht es schneller. Manchmal dauert es länger. Und manchmal läuft alles ganz anders, als man vorher gedacht hat. Das Wichtigste ist, dem Kind die Zeit zu geben, die es braucht. Ohne Druck. Ohne Vergleiche. Und mit der Geduld, die eine so große Veränderung manchmal einfach braucht. Denn eine gute Eingewöhnung ist kein Wettlauf. Sie ist der Anfang einer neuen und wichtigen Zeit im Leben eines Kindes.