Eine Mutter und ihr Kind gehen Hand in Hand einen naturbelassenen Weg entlang, von hinten gesehen. Umgeben von warmem Licht und grüner Landschaft symbolisiert das Bild Vertrauen, Hochsensibilität und den gemeinsamen Weg in einem eigenen Tempo.

💬 Hochsensibel bei Kindern – und bei mir

Warum ich meine Art vertraue, auch wenn das System es nicht tut

Ich bin Mutter eines hochsensiblen Kindes. Und ich bin selbst hochsensibel. Das ist kein Etikett – es ist eine Realität, die unser Alltag prägt. Nicht laut. Nicht auffällig. Aber tief.

Ich habe mir viel anhören müssen. Was mein Kind kann muss. War „normal“ wäre. War „in dem Alter selbstverständlich“ sei. Was die Gesellschaft erwartete. Was das System vorschreibt.

Aber ich habe auf mein Kind gehört. Und auf mein Bauchgefühl. Ich habe jeden Sturm getrotzt – auch wenn ich dabei manchmal schnell untergegangen bin.


🧠 Ich habe gekämpft – und manchmal war es sinnlos

Ich habe gekämpft, damit mein Kind in die Schule kommt – obwohl plötzlich die Gesetzeslage geändert wurde. Wir hatten uns ein halbes Jahr vorbereitet. Was hätte ich ihm sonst vermittelt? „Ich trau es dir nicht zu.“ Nein. Ich traue ihm viel zu.

Ich habe gekämpft, damit er nicht sitzen bleibt – nicht, weil er dumm ist, sondern weil er sich unter Druck setzt. Weil jede Klassenarbeit ein innerer Sturm war. Weil Hochsensibilität nicht im Zeugnis steht.

Ich habe ihn auf eine Schule geschickt, die ohne Notendruck arbeitet. Mit freiem Lernen. Weil ich wusste: Das ist unser Weg. Und es war goldrichtig.


🚲 Ich habe nicht gezwungen – ich habe gewartet

Ich habe ihn nicht zum Fahrradfahren gedrängt. Ich habe gewartet, bis er bereit war.

Ich habe ihn nicht zum Schwimmen gezwungen. Er kann nicht tauchen – und das ist okay.

Ich habe ihn nicht allein auf Geburtstage geschickt, wenn er sich nicht getraut hat. Ich bin geblieben. Auch wenn andere sagten: „Er muss das lernen.“

Ich habe jahrelang neben ihm geschlafen. Weil seine Gedanken abends kreisten. Weil Nähe Sicherheit ist. Weil Vertrauen nicht laut ist – sondern leise und konstant.


💚 Was ich gelernt habe

  • Hochsensibilität ist kein Defizit – sie ist Tiefe
  • Vertrauen ist nicht bequem – aber notwendig
  • Das System sieht oft nur Zahlen – ich sehe mein Kind
  • Ich darf kämpfen – aber ich darf auch loslassen
  • Ich bin nicht schwach, weil ich weich bin – ich bin stark, weil ich bleibe

Wenn du selbst ein hochsensibles Kind begleitest: Du bist nicht allein. Du bist nicht falsch. Du bist nicht zu weich. Du bist genau richtig.

Denn manchmal ist das Mutigste, was wir tun können: Nicht mitziehen – sondern stehen bleiben.

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