Eine Mutter und ihr Kind gehen Hand in Hand einen naturbelassenen Weg entlang, von hinten gesehen. Umgeben von warmem Licht und grüner Landschaft symbolisiert das Bild Vertrauen, Hochsensibilität und den gemeinsamen Weg in einem eigenen Tempo.

💬 Hochsensibel bei Kindern – und bei mir

Warum ich meiner Art vertraue, auch wenn das System es nicht tut

Ich bin Mutter eines hochsensiblen Kindes. Und ich bin selbst hochsensibel. Das prägt unseren Alltag. Vielleicht nicht immer sichtbar für andere, aber für uns schon. Ich habe mir im Laufe der Jahre einiges anhören müssen. Was mein Kind können müsste. Was in seinem Alter normal wäre. Was er jetzt langsam mal lernen müsste. Was andere Kinder schließlich auch können. Und natürlich gab es auch immer wieder diese Vorstellung davon, wie etwas zu laufen hat. Aber ich habe irgendwann gelernt, dass ich mein Kind besser kenne als irgendein System, irgendeine Vorgabe oder jemand, der uns nur von außen betrachtet. Und deshalb habe ich oft anders entschieden. Nicht, weil ich grundsätzlich gegen alles bin. Nicht, weil ich meinem Kind nichts zutraue. Sondern weil ich weiß, wann er Zeit braucht.

Ich habe gekämpft

Ich habe dafür gekämpft, dass mein Kind in die Schule kommt. Wir hatten uns ein halbes Jahr darauf vorbereitet. Und dann wurde plötzlich die Gesetzeslage geändert. Für mich stand fest: Ich kann ihm jetzt nicht sagen, dass er doch noch nicht in die Schule darf, obwohl wir uns so lange darauf vorbereitet hatten. Was hätte ich ihm damit vermittelt? „Ich traue dir das nicht zu.“ Aber genau das war es nicht. Ich habe ihm viel zugetraut. Also habe ich gekämpft. Ich habe auch dafür gekämpft, dass er nicht sitzen bleibt. Nicht, weil er es nicht geschafft hätte. Sondern weil ich wusste, was hinter seinen Problemen steckt. Mein Kind setzt sich selbst unter Druck. Jede Klassenarbeit konnte für ihn zu einem riesigen Problem werden. Nicht, weil er nichts konnte, sondern weil der Druck ihn so sehr beschäftigt hat. Das steht auf keinem Zeugnis.

Irgendwann haben wir dann den Weg auf eine Schule gefunden, auf der anders gelernt wird. Weniger Notendruck, mehr freies Lernen. Und für uns war das genau richtig.

Ich habe ihn nicht gezwungen

Mein Sohn konnte vieles nicht, als andere Kinder es längst konnten. Und ja, natürlich habe ich mir manchmal Gedanken gemacht. Aber ich habe ihn nicht zum Fahrradfahren gezwungen. Ich habe gewartet, bis er bereit war. Ich habe ihn auch nicht zum Schwimmen oder Tauchen gezwungen. Er kann bis heute nicht tauchen. Und weißt du was? Das ist okay. Ich habe ihn nicht allein auf Geburtstage geschickt, wenn er sich nicht getraut hat. Ich bin geblieben. Auch wenn andere gesagt haben, er müsse das doch irgendwann lernen. Vielleicht hätte er es auch gelernt, wenn ich ihn einfach ins kalte Wasser geworfen hätte. Aber das war nicht mein Weg. Ich habe jahrelang neben ihm geschlafen, weil seine Gedanken abends kreisten und er nicht allein einschlafen konnte. Auch da gab es bestimmt Menschen, die gesagt hätten, ich müsse ihn langsam daran gewöhnen. Aber warum? Warum sollte ich ihm etwas wegnehmen, was ihm Sicherheit gibt, nur weil andere finden, dass es jetzt langsam Zeit wäre?

Ich habe gelernt, auf mein Gefühl zu hören

Das heißt nicht, dass ich immer alles richtig gemacht habe. Natürlich habe ich auch gezweifelt. Natürlich gab es Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob die anderen vielleicht doch recht haben. Aber am Ende habe ich immer wieder gemerkt: Wenn ich mein Kind unter Druck setze, nur damit es etwas genauso macht wie andere, wird es für uns nicht besser. Ich muss ihm nicht alles abnehmen. Ich muss ihn auch nicht vor allem beschützen. Aber ich muss ihn kennen. Und ich muss wissen, wann ich ihn loslassen kann und wann er einfach noch jemanden an seiner Seite braucht. Das ist für mich der Unterschied.

Was ich gelernt habe

Ich habe gelernt, dass mein Kind seinen eigenen Weg hat. Dass er manche Dinge später macht als andere. Dass er bei manchen Dingen länger braucht. Und dass er trotzdem seinen Weg geht. Vielleicht nicht so, wie es in irgendeinem Plan vorgesehen ist. Vielleicht nicht in dem Tempo, das andere erwarten. Aber in seinem Tempo. Und ich habe gelernt, meiner eigenen Art als Mutter mehr zu vertrauen. Nicht jedem Rat hinterherzulaufen. Nicht bei allem darauf zu hören, was andere für richtig halten. Sondern mein Kind anzuschauen und zu überlegen: Was braucht er gerade wirklich? Das bedeutet nicht, dass ich immer nachgebe. Es bedeutet auch nicht, dass es bei uns keine Grenzen gibt. Aber es bedeutet, dass ich nicht etwas erzwinge, nur weil man es eben so macht. Und wenn du selbst ein Kind hast, das vieles intensiver erlebt, länger braucht oder einfach seinen eigenen Weg geht: Du kennst dein Kind. Du darfst auf dein Gefühl hören. Und manchmal ist es genau richtig, nicht zu fragen, was alle anderen machen. Sondern zu schauen, was für dein eigenes Kind passt.

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